Das Schlimme ist ja, dass Misogynie nicht enden wird, wenn ich auf Instagram poste, dass ich einen Werbespot scheiße finde – das müsste schon ein Mann machen, damit es ernstgenommen wird, denke ich. Ich fühle mich machtlos, wenn ich mich so in der Welt umschaue und bemerke, dass wir doch irgendwie noch gar nicht so weit sind, wie wir uns wünschten zu sein. In fast allen Regierungen sitzen wütende Männer auf ihrem Thron, den sie nicht verteidigen müssen. Denn sie sind nie ,,zu emotional, um wichtige Entscheidungen zu treffen“. Nun gut, jetzt musste kein Mann der Welt sich auch jemals damit auseinandersetzen wie es ist, den eigenen Körper fremdbestimmen zu lassen. Wobei, sorry, nicht alle Männer — ein Mantra, das Feminist:innen vertreten müssen, damit nicht wieder jemand sagt, der zentrale Punkt, gleiche Rechte für alle zu fordern sei es, Männer zu hassen.
Und ich bin so wütend. Deshalb brennt mein Stift: Vor Wut, die zu groß ist, um sie in Phrasen und Sätze zu verpacken. Wütend, weil ich weiß, dass gerade irgendwo auf der Welt eine Frau überlegt, wie sie es endlich schafft, ihren gewalttätigen Partner zu verlassen. Eine andere, wie sie es umgeht, ein Kind in die Welt zu setzen, was sie gar nicht möchte — obwohl es in ihrem Land illegal ist, überhaupt darüber nachzudenken. Und noch irgendwo anders wird ein Femizid nicht als das benannt, was er ist: Die Tötung einer Frau wegen ihres Geschlechts. Und als wäre all das nicht schon banal genug, sind es doch täglich neue Werbungen, neue Grundsatz-Debatten und noch eine Diskussion auf einer Hausparty, wieso um alles auf der Welt der Mann sich Vaterschaftsurlaub nehmen sollte.Es macht mich müde und es macht mich mürbe, dass ich mein Frausein täglich neu verhandeln muss mit Menschen, die noch nie wegen Unterleibsschmerzen den Tag verschlafen haben. My uterus, my opinion — oder so. Ich denke, was ich tun kann, ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Weiter feministische Literatur zu lesen. Und mir klarmachen, dass Sydney Sweeneys Werbung zwar kompletter Mist war, das jedoch kein Grund ist, eine Hexenjagd auszurufen – sondern eher das Narrativ zu jagen, was dahintersteht.
– A.E.L., 15.09.26.


